Aktuelle Studie zum Europäischen Personenfernverkehr

Europäischer Bahnsektor unter Wettbewerbsdruck der Billigflieger

ESMT Competition Analysis stellte in Brüssel ihre aktuelle Studie zur zukünftigen Wettbewerbssituation im internationalen Personenfernverkehr nach der EU-Liberalisierung im Jahr 2010 vor.  Die Studie ist im Auftrag der Deutschen Bahn AG als unabhängiges wissenschaftliches Gutachten erstellt worden.

Die Studie analysiert insbesondere die Bedeutung – und wettbewerbspolitische Brisanz - von Allianzen zwischen etablierten Bahnunternehmen im Lichte zukünftigen Wettbewerbs. Im Rahmen der Studie wurden rund zwei Jahre monatliche Preis- und Umsatzdaten der Deutschen Bahn auf über 200 nationalen und internationalen Verbindungen ausgewertet. Basierend auf diesem Datensatz kann gezeigt werden, dass Billigfluganbietern (Low Cost Carrier) als effektive Wettbewerber zur Bahn angesehen werden müssen: Bei Markteintritt eines Billigfluganbieters verliert der Analyse zufolge das konkurrierende Bahnunternehmen zwischen 7 und 17 Prozent seiner Passagiere in der zweiten Klasse und bis zu 18 Prozent in der ersten Klasse. Erstmalig kann auch gezeigt werden, dass es nicht nur zu Passagierverlusten kommt. So eröffnen Low Cost Carrier  insbesondere auf profitablen Strecken neue Flugverbindungen in Konkurrenz zum Bahnunternehmen, und erzwingen eine erhebliche Senkung der Bahnpreise in beiden Klassen.

Die Studie untersucht zudem die Wahrscheinlichkeit des Eintritts neuer Wettbewerber im Personenfernverkehr auf Basis einer Szenarioanalyse. Gemäß der Beurteilung der Autoren „rechnen“ sich Eintritte nur auf wenigen Strecken innerhalb Deutschlands und von Deutschland ins nahe Ausland. Die wahrscheinlichste Markteintrittsstrategie ist die weiterer unabhängiger Wettbewerber im Intercity-Segment. Die Autoren, darunter Prof. Lars-Hendrik Röller, Präsident der ESMT und ehemaliger Chefökonom der Brüsseler Generaldirektion Wettbewerb, Dr. Hans Friederiszick, Geschäftsführer der ESMT Competition Analysis, und ESMT-Professorin Raji Jayaraman, weisen darauf hin, dass Erfahrungen mit internationalen Flugallianzen – wenngleich in einem anderen wettbewerblichen Kontext – zu signifikanten Effizienzgewinnen geführt haben. Unter den von der Studie prognostizierten Marktbedingungen eines geringen zukünftigen Wettbewerbs zwischen den Bahnunternehmen und intensiven Wettbewerbs mit Luftfahrtunternehmen könnten, so die Autoren, Allianzen zwischen Bahnunternehmen potentiell zu ähnlichen Effizienzgewinnen führen, die nicht nur den beteiligten Unternehmen, sondern auch den Verbrauchern zugute kämen.

„Unsere Analyse belegt, dass intermodaler Wettbewerb, speziell zwischen Bahn und Flugzeug, stärker in die wettbewerbsökonomische Bewertung von Allianzen im Transportsektor einbezogen werden muss,“ erklärt  Prof. Röller die Ergebnisse der Studie. „Wettbewerb durch Billigfluglinien übt einen signifikanten Wettbewerbsdruck auf Bahnunternehmen aus.“

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